Wenn Vorsicht größer ist als Vertrauen – warum schüchterne Kitten so schwer ein Zuhause finden
- Benjamin Kozlowski
- vor 5 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Sie sitzen meist etwas abseits - Dayra, Lira und Valea. Sie und ihre Katzenkumpel beobachten mit großen Augen und halten lieber Abstand. Während andere Katzenkinder neugierig an den Gitterstäben spielen oder sich streicheln lassen, bleiben sie im Hintergrund: die 15 wildgeborenen Kitten, die im vergangenen Sommer ins Tierheim kamen. Europäische Kurzhaarkatzen, im Frühjahr des letzten Jahres geboren, von Anfang an ohne engen Menschenkontakt – und genau das prägt sie bis heute.

Viele verwildert geborene Katzenkinder hatten Glück. Mit Geduld, ruhiger Ansprache und den liebevollen Besuchen der Katzenkuschler konnten sie Vertrauen fassen und haben inzwischen ein Zuhause gefunden. Doch nicht alle schaffen diesen Schritt gleich schnell. Einige der jungen Katzen sind noch immer sehr schüchtern, teils ängstlich und unsicher. Sie fauchen nicht, sie schlagen nicht – sie ziehen sich zurück. Und genau das macht ihre Vermittlung so schwierig.
In einer Welt, in der verschmuste, sofort zugängliche Tiere oft bevorzugt werden, gehen die Leisen und Vorsichtigen leicht unter. Dabei haben gerade sie so viel zu geben – nur eben nicht auf den ersten Blick. Diese Kitten sind ausgesprochen sozial mit Artgenossen, spielen ausgelassen, fressen mit Begeisterung und blühen im Zusammensein mit anderen Katzen sichtbar auf. Deshalb suchen sie ihr Glück mindestens zu zweit.

Ideal wäre für sie ein Zuhause in ländlicher Umgebung, etwa auf einem Bauernhof, wo sie als Freigänger leben dürfen. Ein sicherer Rückzugsort wie ein Schuppen oder Stall ist für die Eingewöhnung wichtig – ein Platz, an dem sie Schutz finden und in ihrem Tempo ankommen können. Doch auch ein „klassisches“ Zuhause mit späterem Freigang ist nicht ausgeschlossen. Erfahrungsgemäß kann gerade die zurückgewonnene Freiheit dazu führen, dass aus scheuen Katzen plötzlich neugierige, manchmal sogar verschmuste Gefährten werden.
Diese Kitten verlangen keine Perfektion, sondern Zeit, Geduld und Verständnis. Wer ihnen diese Chance gibt, wird vielleicht nicht sofort belohnt – aber möglicherweise mit einem ganz besonderen Vertrauen. Und das ist oft das schönste Geschenk von allen.





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